Zum besseren Verständnis der Kennzeichnung von Futtermitteln
Etwas Grundwissen zum besseren Verständnis der vorschriftsmäßigen Kennzeichnung von Futtermitteln für Haustiere. Die gesetzlichen Mindestanforderungen beinhalten Angaben über Art des Futters, wichtigste Inhaltsstoffe, Zusammensetzung (in der Reihenfolge der Mengenanteile), Haltbarkeit, In-Verkehr-Bringer und Inhalt der jeweiligen Verpackungseinheit. Selbstverständlich besteht diese Kennzeichnungspflicht auch für nachträgliche Unterverpackungen.
Neu ist die geforderte Angabe einer Chargennr. für die Möglichkeit der Rückverfolgung des Futtermittels bis zum Hersteller bzw. Importeur. Weiter sollen alle Zusatzstoffe angegeben werden.
Eine Aussagekraft für den Verbraucher ist nun leider eher geringer als vorher. Die geforderte Aufzählung z.B. der zugesetzten Spurenelemente hat keinerlei Aussagekraft für die Qualität der Mischung. Die für eine Beurteilung der Eiweißqualität wichtigen Leitaminosäuren Lysin und Methionin brauchen überhaupt nicht mehr deklariert werden.
Ein Beispiel: Atama spezial WK Alleinfutter für Zierfische
Schwimm - Alleinfutter für Zierfische aus hochwertigen Komponenten nach neuer Rezeptur hergestellt. Abgestimmt auf die besonderen Ernährungsansprüche von Koi unter europäischen Haltungsbedingungen. Mit ausgewogener Nähr- und Wirkstoffdichte für angemessen zügiges Wachstum und Ausbildung der gewünschten Körperform. Sehr gute Verdaulichkeit bei optimal hohem Energiegehalt und angepasste Wirkstoffzusätze machen dieses Futter zu einem erfolgreichen Haupt- und Wachstumsfutter. Enthält Zusätze zur Förderung der Pigmentierung. Fütterung mehrmals täglich ab einer Wassertemperatur von ca. 15/16° |
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| Zusammensetzung: Weitere Zusätze: Astaxanthien (25mg/kg), Pflanzenextrakte, Pro- u. Prebiotika. Chargennr./MHD siehe entspr. Kennzeichnung. Koifuttershop, Schwentinethal 2, 24619 Bornhöved. Mail: koi@koifuttershop.de |
Die Deklaration gibt leider nur wenige, allgemeine Hinweise zur Beurteilung der Qualität eines Futtermittels:
Rohprotein
Gibt den Gehalt aller stickstoffhaltigen Anteile in der Mischung an,
sagt aber nur wenig über die Eiweißqualität aus. Einen
allgemeinen Hinweis dazu gibt die Angabe zum Lysingehalt, soweit
noch vorhanden.
Entscheidend ist der für Koi verdauliche, verwertbare Eiweißanteil des Rohproteins. Der sich evtl. an den verwendeten Komponenten erkennen lässt.
Eiweißbausteine
sind die Aminosäuren, die z.T. im Stoffwechsel der Tiere hergestellt
werden können, z.T. jedoch über die Nahrung zugeführt
werden müssen.
Der Anteil dieser sogenannten essentiellen Aminosäuren bestimmt die Futterwirksamkeit (biologische Wertigkeit) des gesamten im Futter vorhandenen Eiweißes für das jeweils zu ernährende Lebewesen.
Zu hohe Rohproteingehalte mit für Koi unausgewogenem Aminosäuremuster müssen vom Stoffwechsel – diesen dabei belastend – ab- und umgebaut werden. Erhöhte Ausscheidungen stickstoffhaltiger Verbindungen belasten unnötig das Teichwasser und den Filter. Wird jedoch teures, für Koi biologisch hochwertiges Eiweiß eingesetzt, kann dieses auch verwertet, d.h. in Körpersubstanz umgebaut werden.
Höchste Verwertbarkeit für Koi bieten Eiweiße aus Fischerzeugnissen, Fischnährtieren bestimmten Algen und Milcheiweiß.
Werden dann noch andere in der Mischung enthaltene Eiweiße durch den Zusatz synthetischer Aminosäuren (z.B. Lysin und Methionin) komplettiert, entsteht ein ausgewogenes Futter mit höchster Futterwirksamkeit und Bekömmlichkeit des Eiweißanteiles, der allgemeine Wert Rohproteein kann niedrig gehalten werden.

Rohfett
Diese Angabe schließt alle in der Mischung enthaltenen Fette und
Öle ein; auch die, die für Koi nur schwer oder gar nicht
verdaulich, oder gar schädlich sind. In besonderem Maße
gilt, den Koi eine ausgewogene, artgerechte Fettqualität zur Verfügung
zu stellen. Hochverdaulich sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren
in Seetierölen und bestimmten Algen- und Pflanzenölen. Soweit
diese nicht durch Bearbeiten zu stark verändert wurden.
Rohfettanteile aus gehärteten Fetten sind nur bei höheren Wassertemperaturen ab etwa 16/18° Grad wenigstens teilweise verdaulich. Fette von Landtieren und auch eine Reihe pflanzlicher Fette, die häufig als Nebenprodukt bei der Lebensmittelproduktion anfallen, sind überwiegend ungeeignet.
Fettbausteine sind die Fettsäuren. Es gibt ebenfalls essentielle Formen, die unbedingt mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Der Organismus der Koi kann sie nicht selbst herstellen. Und wie bei den Eiweißbausteinen begrenzt ein etwaiger Untergehalt dieser Fettsäuren die Verwertbarkeit des gesamten Fettanteils in der Mischung nach unten.
Ausreichende Zufuhr geeigneter Fettsäuren hat eine ganz besondere Bedeutung bei bevorstehenden winterlichen Fastenperioden. Sie ist nicht nur wichtig zu deren schadlosen Überstehen, sondern für die Fähigkeit des Organismus der Koi, im Frühjahr schnell und ausreichend lebensnotwendige Energie zu mobilisieren. Die geeigneten Fettsäuren – ein- bis mehrfach ungesättigte – sind alle empfindlich gegen Erhitzen im industriellen Verarbeitungsprozess, und werden am besten durch Zugabe von kaltgepresstem Fischöl ergänzt. Zumindest vor und nach der Überwinterung.
Die leider von einigen Interessenvertretern empfohlenen exterm hohen Fettgehalte in Koifuttern haben ihren Ursprung in möglichst preiswerten Mischungen für die Erzeugung von Speisefischen, die in einem kurzen Leben sehr schnell zunehmen müssen. Überhöhte Fettzusätze - die sehr häufig nicht aus den erwünschten Fischölen bestehen, sind die beliebteste Möglichkeit zur Verbilligung einer Futtermischung. Mit dem weiteren Hintergrund, dass die Fische durch die für sie schmackhaften Fettzusätze die Billigmischungen überhaupt fressen. In wertvollen Koibeständen haben derartige Futter absolut nichts zu suchen!
Rohfaser Ganz wichtiges Bewertungskriterium für die Verdaulichkeit der Gesamtration. Je höher der Rohfasergehalt, desto geringer ist die Verdaulichkeit aller anderen Nährstoffe. Ein gewisser Rohfaseranteil ist jedoch zur ausreichenden Verweildauer des Nahrungsbreies im Darm und zur Verteilung der Nährstoffe erwünscht.
Feuchtigkeit
Die Grenze für die ausreichende Lagerfähigkeit eines Futters
liegt bei etwa 8 - 9% Wassergehalt. Niedrigere Wassergehalte bedeuten
nicht nur verbesserte Lagerfähigkeit, sondern folgerichtig eine
höhere Nährstoffdichte bei Verringerung des Volumengewichtes.
Rohasche
Gibt einen Hinweis auf den Gehalt anorganischer Bestandteile einschließlich
der Mineralstoffe.
Wissenswert ist vielleicht, dass Koi in der Lage sind, viele Mineralstoffe
aus dem Wasser aufzunehmen. Trotzdem sollte ein gutes Futter zur Sicherheit
Zulagen an Mineralstoffen enthalten. Als Ausgleich für den oft
nur geringen Gehalt in unseren gefilterten Teichanlagen mit häufig
nur wenig Frischwasserzufuhr. Auch der Mineralstoffart kommt hohe Bedeutung zu, sie bestimmt die Verdaulichkeit. Am höchsten verfügbar sind Mineralien aus natürlichen, organischen Material.
Kohlehydrate
Sind nicht deklarationspflichtig. Kohlehydrate sind in gewissen Grenzen
in nicht zu rohfaserhaltigen Mischungen bei höheren Wassertemperaturen
recht gut verdaulich, besonders wenn sie in einem Extrusions- oder Fermentationsprozeß
aufgeschlossen wurden. Die Zufuhr von zu viel Kohlehydraten (z.B. im
Brot oder nichtextrudiertem Futter mit hohen Getreideanteilen) können
bei Koi unerwünschten Fettansatz in Leber und Bauchraum fördern
und wasserbelastende Ausscheidungen erhöhen.
Zusatzstoffe
Werden über den sogenannten Praemix, bestehend aus Mineralstoffen,
Spurenelementen, Vitaminen und diversen Stoffen mit Sonderwirkungen
dem Komponentengemisch zugegeben.
Die zugesetzten Stoffe müssen deklariert werden. Ein gutes Koifutter sollte auch genügende Zulagen an Vitamin C haben, dies gilt in hohem Maße für Hochleistungsfutter und die Jungfischernährung. Vitamin E stabilisiert Mischungen zusätzlich.
Die zugesetzten Wirkstoffe sind überwiegend synthetischen Ursprungs und fast immer stabilisiert (gegen Zerfall geschützt). Vitaminzusätze werden oft über den Bedarf hinaus dosiert, um einen gewissen Schwund während der Lagerzeit des Futters auszugleichen. Manchmal aber auch aus rein optischen Gründen.
Bei
richtiger Lagerung sorgfältig hergestellter Futter mit stabilisierten
Vitaminzusätzen kann davon ausgegangen werden, dass bis zu etwa
12 Monaten Lagerdauer ab dem Herstellungstag noch bedarfsgerechte Vitamingehalte
vorhanden sind.
Eine zunehmend hohe Bedeutung haben bei den heutigen intensiven Haltungsformen mit z.T. sehr hochgezüchteten, empfindlicheren Fischen Futterzusätze zur Unterstützung des Immunsystems. Wirklich hochwertige Koifutter enthalten mehrere verschieden wirkende Immunstimulantien. Dazu gehören geeignete Pflanzen-, Hefe und Algenextrakte, sowie probiotisch wirkende Kulturen.
Was sind pro- und prebiotische Kulturen?
Vereinfacht ausgedrückt sind Probiotika bestimmte lebende Kulturen (u.a. Milchsäurebakterien), die die Gesamtheit der im Verdauungstrakt immer vorhandenen Bakterien positiv beeinflussen, sie bei der Verdauungsarbeit unterstützen. Die Qualität der Verdauung hat entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit aller Lebewesen. Voraussetzung für die gewünschte Wirkung ist eine unverdaute Passage der zugesetzten Kulturen durch Magen und Dünndarm (soweit vorhanden) bis zu den Orten der endgültigen Verdauungsprozesse in den Enddärmen. Prebiotika sind bestimmte Nahrungsstoffe und natürliche Substanzen (z.B. Ballaststoff- und Stärkeverbindungen, sowie Pflanzenextrakte aus z.B. Knoblauch und Zichorie) die das Wachstum und die Vermehrung der probiotischen Kulturen in den Darmabschnitten der Verdauung fördern.
Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der probiotischen Kulturen für alle Lebewesen - noch gefördert in Verbindung mit Prebiotika - sind bereits seit längerer Zeit bekannt und erforscht.
In hochwertigen Koi-Futtermischungen nehmen Pro- und Prebiotika einen festen Platz ein. Ein weiteres der vielen Unterscheidungsmerkmale zu den leider manchmal immer noch eingesetzten Billig-Mastfuttern aus der Teichwirtschaft.
Zusammensetzung
Angabe zu den verwendeten Futterkomponenten in der Reihenfolge der Mengenanteile.
Die wichtigste Möglichkeit zur ungefähren Beurteilung der Futterqualität im Zusammenhang
mit den deklarierten Inhaltsstoffen. Eiweiße und Fette sollten
überwiegend aus Meerestieren stammen. Auch sehr gut geeignet sind
Spirulinaalgen und Hefen. Ein Weniger der Hauptnährstoffe aus geeigneten
Komponenten ist wesentlich besser als ein Viel aus ungeeigneten. Stärketräger
dürfen nicht zu hoch eingesetzt sein. Noch am höchsten verdaulich
sind rohfaserarme Getreidesorten wie Weizen und Mais. Zur Verbesserung
der Stärkeverwertung am besten hydrothermisch aufgeschlossen bzw.
fermentiert. Weniger geeignet sind alle sogen. Substitute, d.h.
Rückstände aus für die menschliche Ernährung verarbeiteten
Rohstoffe. Diesen Nachprodukten wurden die wertvollsten Stoffe entzogen,
sie dienen ausschließlich zur Verbilligung von Futtermischungen.
Dazu werden rein rechnerisch vorhandene Nährstoffe in die Deklaration
einbezogen, die aufgrund der hohen Rohfasergehalte für Koi kaum
noch verdaulich sind. (Z.B. Expeller, Extraktionsschrote, Nachmehle
etc.) - auch eine Reihe von zur Verbilligung verwendeten Rohstoffen
sind zumindest bedenklich für qualitativ hochwertige Koifutter.
(Z.B. Raps, Hülsenfrüchte, Blut-/Tiermehle, auch Billig-Fischmehle
mit hohen Grätenanteilen). Derartige Mischungen werden dann mit
hohen Mengen Fett versetzt, um die - auf dem Papier - rechnerisch verfügbare
Energie in die erforderliche Norm zu bringen. Für die Ernährung
wertvoller Koibestände sind diese verbilligten Futter nicht zu
empfehlen.
Es können dann noch weitere, freiwillige Angaben zur Bewertung des jeweiligen Futters gemacht werden, z.B. Zugabe von Wirkstoffen, Immunstimulantien, Stoffen zur Aminosäurenaufwertung (z.B. Betain), Farbverstärkern usw.
Haltbarkeitsdatum
Eine Futtermischung ist ein Naturprodukt und nicht unbegrenzt haltbar.
Nicht nur z.B. Vitamine unterliegen ständig einem gewissen Schwund.
Jede organische Substanz altert und zerfällt mit unterschiedlicher
Geschwindigkeit. Über die Dauer der Haltbarkeit entscheiden sachgerechte
Herstellung und Lagerung eines Futtermittels. Hauptfeinde sind UV Strahlen,
Sauerstoff, Wärme und Feuchtigkeit.
Durch verschiedene Zusätze bei der Futterherstellung wird vorzeitige Oxydation verhindert. Verringerung des Feuchtigkeitsgehaltes der Mischung und die Bearbeitung im Extruder reduzieren den Keimgehalt. Anschließend kommt dann richtiger Verpackung und Lagerung des Futters zunehmende Bedeutung zu.
Nach dem Absacken des losen Futters aus dem Silo des Herstellers wird das Haltbarkeitsdatum aufgestempelt. Und auch ein Rückstellmuster für etwaige spätere Kontrollen wird gefertigt und aufbewahrt.
Wir empfehlen, Futtermittel sachgerecht aufzubewahren, sie innerhalb des angegebenen Zeitraumes zu verbrauchen und beim Einkauf auf Angabe des Haltbarkeitsdatums zu bestehen!
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